Theater

Dass Kirche, katholische zumal, etwas Theatralisches hat, dürfte offensichtlich sein. Im Germanicum-Hungaricum wird diese kirchliche Seite eigens zum Thema gemacht. Regelmäßig finden diverse Theaterdarbietungen statt und führen so die alte Tradition des „Jesuitentheaters“ fort. Dass Theater zu spielen und zu schauen Spaß macht, ist dabei sicher keine Nebensache: die großen Aufführungen im Advent jedes zweiten Jahres sind eine der Gelegenheiten, bei denen sich das Kolleg für ein größeres Publikum öffnet und seinen römischen Freunden und Wohltätern mit einer kleinen vorweihnachtliche Freude Dank sagt.
Zugleich hat das Theater eine bedeutende Wirkung „nach innen“, ja es ist ein ganz eigenes Mittel der Ausbildung der Studenten und der Ausgestaltung ihres Zusammenlebens im Kolleg. Die zahlreichen Probenstunden auf der Bühne ermöglichen Erfahrungen, in denen man sich selbst und die anderen auf neue, intensive Weise kennen lernen kann. Zum einen schulen sie den Umgang mit den eigenen Fähigkeiten – öffentliches Auftreten, sprachliche Kompetenz, Körpersprache – wie mit den eigenen Grenzen. Zum anderen ist jede Theateraufführung ein komplexes Gefüge, das erst dann funktioniert, wenn alle Beteiligten in ihren je eigenen Rollen „ineinander greifen“: es kommt auf jeden an. Auf seine Weise bereitet ein jedes Theaterprojekt so auf jenen Auftritt vor, der in näherer oder fernerer Zukunft in den pastoralen und liturgischen Räumen der heimatlichen Diözesen erfolgen soll.

Das „Akademietheater“

Die alljährliche Adventsakademie ist stets abwechselnd klassisches Konzert oder Theateraufführung. Wenn es also alle zwei Jahre daran geht, das Kolleg mit einem Theaterstück für ein größeres Publikum zu öffnen sowie Freunden und Wohltätern mit einer vorweihnachtlichen Freude Dank zu sagen, nehmen kurz nach Vorlesungsbeginn auch die Vorbereitungen hierfür ihren Lauf.
Die männlichen Rollen werden von den Studenten des Germanicum-Hungaricum übernommen, die weiblichen Rollen hingegen von deutschsprachigen Studentinnen besetzt, die sich zumeist für ein Auslandsjahr in Rom befinden. Je nach Anzahl der zu vergebenden Rollen umfassen die Projekte auf, hinter und vor der Bühne insgesamt zwischen 20 und 30 Beteiligte. In den Wochen bis zum dritten Advent gilt es dann, rund 60 Probenstunden sowie die Arbeiten von Bühnenmalerin, Maskenbildner, Schneiderin, Schreinern, Requisiteur und Technikern zu koordinieren und zu einer aufführungsreifen Leistung zusammenfließen zu lassen. In den letzten Jahren waren Früchte dieser Arbeit

Ben Jonson (in einer freien Bearbeitung von Stefan Zweig), Volpone (2013)
Oscar Wilde, Bunburry (2011)
George Bernard Shaw, Androklus und der Löwe (2009)
Friedrich Dürrenmatt, Romulus der Große (2007)
Max Frisch, Biedermann und die Brandstifter (2005)
Philip King, Lauf doch nicht immer weg (2003)
Adolphe Belot, Das Testament des César Girodot (2001)
Peter Shaffer, Amadeus (1999)
Bilder von den Aufführungen 2011



Das „Diakonatstheater“

Seinen Namen verdankt das Diakonatstheater dem Umstand, dass in vergangenen Zeiten das Theaterspielen nach der Diakonweihe nicht mehr erlaubt war: und bevor diese von den Germanikern im Mai empfangen wurde, führte der zu weihende Jahrgang für die Hausgemeinschaft noch ein letztes Stück auf.
Heute gehören sowohl das Schauspielverbot für Kleriker als auch die Diakonweihe des Germanicum-Hungaricum im Mai der Vergangenheit an: doch der Name ist geblieben... Hinter ihm verbirgt sich nunmehr das Abschiedsstück jenes Jahrgangs, der das Kolleg für eine einjährige pastorale Erfahrung verlassen wird. Zu dessen „Ethos“ gehört, dass der betreffende Jahrgang das für ihn ausgesuchte abendfüllende Stück – mit Ausnahme von Maskenbildner, Souffleur und Regisseur – ausschließlich mit eigenen Kräften innerhalb einer ganz dem Theater gewidmeten Woche auf die Beine stellen muss! Zur Unterhaltung der Kollegsgemeinschaft dienten in jüngerer Vergangenheit

Johann Nestroy, Unverhofft (2012)

Jean Baptiste Molière, Der eingebildet Kranke(2011)

Jean Baptiste Molière, Der Bürger als Edelmann (2010)

Gerold Theobalt, Der Bücherfreund (2009)

Heinrich v. Kleist, Der zerbrochene Krug (2008)

William Rose, Ladykillers (2007)

Joseph Kesselring, Arsen und Spitzenhäubchen (2006)

Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker (2004)

Ephraim Kishon, Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht (2003)

Friedrich Dürrenmatt, Herkules und der Stall des Augias (2002)

Woody Allen, Vorsicht, Trinkwasser (2001)

Gerhart Hauptmann, Die Jungfern vom Bischofsberg (2000)