Siebenkirchenwallfahrt

Jedes Jahr, gewöhnlich am 3. Fastensonntag – an diesem Tag ist nämlich S. Lorenzo fuori le Mura, in der wir Messe feiern, auch Stationskirche – machen wir uns in aller Frühe auf den Weg. Wir folgen damit einer römischen Tradition, die noch aus der Spätantike stammt. In zahlreichen Pilgerberichten finden sich Beschreibungen. Neu belebt wurde die Siebenkirchen-Wallfahrt durch Filippo Neri. Im Jahr 1552, dem Gründungsjahr unseres Kollegs, schlossen sich Priester unter Neris Leitung zum gemeinsamen Leben zusammen, die Oratorianer. Neri begann eine Art frühneuzeitliche Jugendarbeit. Er versammelte Jugendliche mit Gruppenstunden, Predigten und Wallfahrten und gestaltete die „Siebenkirchen-Wallfahrt“ in seiner fröhlichen Art mit Gesang, Picknick und Gebet. War es zunächst nur eine kleinere Gruppe, so wurde dieses Pilgern im Frühling schließlich für ganz Rom ein religiöses Ereignis, das entweder nach Ostern oder noch in der Karnevalszeit stattfand und somit ein Gegengewicht zu manchen Orgien in Kneipen darstellte. Bei S. Pietro in Vaticano sammelte man sich zu dieser ganztägigen Wallfahrt; sie fand bei S. Maria Maggiore ihren Abschluss.

                   

Roma

                   

Wir allerdings beginnen um 5.30 Uhr morgens in unserer Kollegskirche mit dem Pilgersegen, um dann in kleinen Gruppen aufzubrechen, der ursprünglichen Richtung Neris entgegen. Die erste Strecke, vorbei an S. Maria Maggiore, bis zur Messfeier wird schweigend zurückgelegt. Das von einer Spiritualitätsgruppe des Kollegs vorbereitete Wallfahrtsheft begleitet jeden Pilger und gibt Anregungen: Texte, die vor oder in der jeweiligen Kirche betrachtet und gebetet werden können. Traditionell gedenkt man der sieben Wege Jesu während seiner Passion und der sieben Male, an denen er sein Blut vergossen hat; man bittet um die sieben Gaben des Heiligen Geistes und die sieben Tugenden. Auch wir greifen bei der jedes Jahr neuen inhaltlichen Gestaltung die Siebenzahl der Kirchen, ihre jeweiligen Besonderheiten oder dort verehrte Heilige auf.

                   

Die Messe feiern wir in S. Lorenzo, der ursprünglich konstantinischen Grabeskirche des heiligen Laurentius, die trotz später hinzugefügter Bauelemente ihren frühchristlichen Charakter bewahrt hat. Es schließt sich ein stärkendes und leckeres Frühstück an, das wir auf dem schönen Vorplatz der Basilika einnehmen können.

                   

Unser nächstes Ziel bildet S. Croce in Gerusalemme, eine ebenfalls von Kaiser Konstantin errichtete Basilika (für die von seiner Mutter Helena aus Palästina geholten Kreuzesreliquien), später erheblich umgestaltet. Mit S. Giovanni in Laterano erwartet uns dann die eigentliche Bischofskirche Roms.

                   

Vom Kirchlein „Domine, quo vadis“ (gehört nicht zu den sieben Kirchen) bis S. Sebastiano fuori le Mura, an der Via Appia gelegen, beten wir üblicherweise den glorreichen Rosenkranz. Nun gilt es, der Via delle Sette Chiese zu folgen. Sie bringt uns zur Grabeskirche des heiligen Paulus, S. Paolo fuori le Mura. Eine gute Stunde Weges liegt noch vor uns. Einige Bars säumen die Straße und bieten erfrischende Getränke. S. Pietro in Vaticano, errichtet über dem Grab des heiligen Petrus, ist unser Ziel. Gemeinsam mit dem Papst und vielen Rombesuchern beten wir um 12 Uhr den sonntäglichen Angelus. Aber: Niemand soll sich zeitlich gedrängt fühlen. Wer später kommt, kann sich dem Papst und den anderen auch unterwegs im Gebet verbunden wissen.