Geistlich-seelsorgliche Ausbildung

Die Ausbildung im "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" ist auf eine kontinuierliche Integration ganzmenschlichen Reifens, geistlichen Wachstums, wissenschaftlicher Kompetenz und pastoraler Befähigung hingeordnet. Im folgenden wird der geistlich-seelsorgliche Aspekt dieses Formationsprozesses dargestellt.

Die geistlich-seelsorgliche Ausbildung erfolgt größtenteils im Kolleg, teils aber auch im Heimatbistum, wie auch an anderen hierfür geeigneten Orten in Italien oder im Heimatland. Im "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" kann man nach Themen, Zeiten und Orten gliedern.

Freilich überschneiden sich diese Bereiche in der Wirklichkeit und können darum nicht fein säuberlich voneinander getrennt werden. Insbesondere ist dabei zu beachten, dass das Kolleg nicht der Rahmenordnung für die Priesterbildung einer bestimmten Bischofskonferenz verpflichtet ist, da seine Alumnen aus mehr als 10 Ländern bzw. 45 Diözesen Europas kommen. Insofern gilt als Grundlage und Leitlinie der Ausbildung und des gemeinschaftlichen Lebens im Kolleg der Ordo Pontificii Collegii Germanici et Hungarici, der vom Generaloberen der Gesellschaft Jesu gutgeheißen und von der Kongregation für das katholische Bildungswesen approbiert ist.

Jedes Jahr: ignatianische Exerzitien

In den Sommerferien Praktika in folgenden Bereichen:

1. Jahr der Philosophie
bis 3. Jahr der Theologie

Pfarrei; Diakonie und Arbeitswelt; Schule bzw. Katechese
(für Kinder und Erwachsene); Jugendarbeit

1. Jahr der Theologie

Stimmbildung und Sprecherziehung
Homiletik

2. Jahr der Theologie

Aufnahme unter die Kandidaten des Priesteramtes

3. Jahr der Theologie

Homiletik

2. oder 3. Jahr der Theologie

Beauftragung zum Dienst des Lektors.
Beauftragung zum Dienst des Akolythen.

Nach dem 3. Jahr der Theologie

Pastoraljahr (in der Regel in der Heimatdiözese)

Nach Abschluss der Theologie
oder im Pastoraljahr

Diakonenweihe

1. Jahr der Lizenz

Beichtübungen

Nach dem Diakonatsjahr
oder während des Lizenzstudiums

Predigtnachbesprechungen
Priesterweihe

Themen

Ein erster Akzent der Ausbildung im "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" ist das konkrete Leben in einer Kollegsgemeinschaft, die aus Jesuiten, Studenten und Ordensschwestern besteht, die aus verschiedenen Ländern Mittel- und Südosteuropas stammen. Dass dieses Gemeinschaftsleben im Alltag auch tatsächlich gelingt, ist nicht selbstverständlich.

Ein zweiter Akzent ist durch die ignatianische Prägung der geistlichen Formung gegeben. Das geistliche Leben der einzelnen, wie auch der gesamten Gemeinschaft ist vom Geist des hl. Ignatius von Loyola, seiner geistlichen Übungen und der von ihm angewandten Unterscheidung der Geister (vgl. 1 Thess 5,21) geprägt. Um diese ignatianische Prägung objektiv (von außen) sicherzustellen, ist die Leitung des Kollegs der Gesellschaft Jesu anvertraut. Um sie subjektiv (von innen) zu gewährleisten, machen alle Germaniker und Hungariker jedes Jahr ignatianische Exerzitien.

Nicht zu trennen vom geistlichen Leben ist drittens die wissenschaftliche Ausbildung. Sie geschieht in der Regel an Studienstätten, die ebenfalls der Gesellschaft Jesu anvertraut sind, und die darum zusammen mit der Wissenschaftlichkeit auch den Geist des hl. Ignatius von Loyola vermitteln wollen, wie mit der Wissenschaft umzugehen ist, wozu sie einzusetzen ist und wem sie zu dienen hat.

Ein vierter Akzent der Ausbildung ergibt sich schließlich aus der Tatsache, dass sie in Rom geschieht: Dabei ist Rom nicht nur von Belang, weil es das Zentrum der römisch-katholischen Kirche ist; die Stadt hat auch in der Geschichte Europas und der Welt eine entscheidende Rolle gespielt und beherbergt noch heute unschätzbare Kulturgüter der Menschheit.

Zeiten

Während des Grundstudiums, d.h. während des 1. Zyklus der Philosophie und des 1. Zyklus der Theologie, haben die Studenten die Möglichkeit, in Absprache mit dem Rektor bzw. ihrem Heimatre-gens Praktika in verschiedenen Bereichen zu übernehmen: z.B. in diakonalen Einrichtungen, in einer Pfarrei, in der Industrie- und Arbeitswelt, in der Jugendarbeit, u.a. Ebenfalls während des Grundstu-diums beantragen die Seminaristen ihre Aufnahme unter die Priesterkandidaten ihres Bistums und er-bitten die Beauftragungen zum Lektor und zum Akolythen.

Pastorale Kurse mit Übungen ergänzen während des Studienjahres das akademische Ausbildungs-programm: Im Kolleg finden Kurse zur Stimmbildung und Sprecherziehung, zur Homiletik, zur Einfüh-rung in den liturgischen Dienst der Diakone und der Priester, Beichtcasus, und Predigtnachbespre-chungen statt.

Nach Abschluss des Grundstudiums mit dem „Bakkalaureat in Theologie“ halten die Seminaristen sich zu einem Pastoral- oder Diakonatsjahr in der Regel in ihrem Heimatbistum auf. Bei einigen Diözesen wird den Kandidaten während dieses Jahres die Diakonatsweihe im Heimatbistum gespendet und die Priesterweihe in Rom zu Beginn oder während des Lizentiatsstudiums, bei anderen Diözesen ist es üblich geworden, die Diakonatsweihe in Rom und die Priesterweihe in der Heimatdiözese zu empfangen.

Orte

Die Ausbildung der Germaniker und Hungariker geschieht im Kolleg, in Rom, in Italien und in ihrem Heimatbistum.

Neben den verpflichtenden oder freiwilligen Hausveranstaltungen hat jeder die Möglichkeit, in einer römischen Pfarrei, an einem sozialen Brennpunkt der ewigen Stadt oder in einem anderen geeigneten Kontext pastorale Erfahrungen zu sammeln.

In den vorlesungsfreien Zeiten können die Alumnen, insbesondere wenn sie schon die Priesterweihe empfangen haben, z.B. während der Ostertage, in italienischen Pfarreien außerhalb Roms seelsorglich tätig werden.